Stadtteilzentrum setzt „Stolpersteine"
Eintrag vom: 16.04.2007 - 18:33 Uhr
Ihr kennt Stolpersteine? Das sind in Gehsteige eingelassene kleine Messingschilder. Sie erinnern an jüdische Berlinerinnen und Berliner, die in den Häusern gewohnt haben, bevor sie verschleppt und ermordet wurden. Vier neue Stolpersteine erinnern nun an eine jüdische Familie. Schon einige Male haben wir im Pfefferwerk Rundbrief vom Engagement im Stadtteilzentrum berichtet, mit dem wir die Geschichte des Hauses als jüdisches Kinderheim erforscht und der Opfer gedacht haben. Inge Franken, die als Initiatorin der Dialoggruppe „One by One" angehört, hat nun mit einer Gruppe von Schülerinnen das Schicksal der Familie Süssmann erforscht, deren Kinder in den jüdischen Kindergarten gegangen sind. Eine der Töchter hat überlebt. Sie wohnt heute in New York und steht seit einigen Jahren mit Inge Franken im Briefwechsel. Es war ein langer Prozess der Annäherung, denn es fiel ihr sehr schwer, einer nichtjüdischen Deutschen über ihre Geschichte zu berichten. Vier Schülerinnen haben Archive durchforstet, Briefe und andere Dokumente studiert, Fotografien gesichtet. Sie sind auf den Spuren der Familie Süssmann nach Polen zu den Geburtsorten der Eltern gefahren. Viel haben sie dort nicht gefunden, einen verwilderten jüdischen Friedhof, kein Hinweis, kein Gedenken. Über die polnischen Dörfer, Arbeitslager, Konzentrationslager führte sie der Weg zum jüdischen Kinderheim und der letzten selbstgewählten Wohnstätte der Familie in der Straßburger Straße 60. Vor diesem Haus liegen jetzt vier Stolpersteine für die Eltern und Geschwister von Toska Kemper. Ihre Ergebnisse haben die Schülerinnen in einer Dokumentation zusammengefasst. Sie kann bei uns im Nachbarschaftshaus angesehen oder gegen eine Spende erworben werden. Die Kosten für das Projekt trug die Dialoggruppe „One by One".
Susanne Besch | Nachbarschaftshaus / Projektebüro
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