Jugendhilfe - News
„Tamino“ ist ein neues stationäres Angebot unseres Jugendhilfeverbundes für Jungen ab 14 Jahren. In der Greifswalder Straße 204 werden nun fünf Jugendliche in einer WG rund um die Uhr betreut.
Doch der Reihe nach: In den letzten Jahren wurde es in unserer Kriseneinrichtung BUK immer schwieriger, Jungen der Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren (die, keine Frage, sehr schwierig waren) in so genannte Anschlussmaßnahmen zu vermitteln. Sie zeigten sich oft von ihrer coolsten Seite, gingen weder zur Schule noch zum Praktikum, das Register von Strafttaten war lang, sie überschritten wie selbstverständlich alle Regeln und Grenzsetzungen durch Erwachsene und waren die reinsten „Kotzbrocken“... So kam es, dass wir genau diese Jugendlichen entweder über einen viel zu langen Zeitraum in der Kriseneinrichtung hatten, da sie schon bei Vorstellungsgesprächen in anderen Einrichtungen scheiterten, oder, dass sie nach kurzer Zeit zurück in die BUK kamen, da sie überall rausgeflogen waren. Und das ganze Procedere begann von vorn ...
In der Zwischenzeit arbeiteten die Kollegen/innen in der BUK weiter mit ihnen. Sie sind in Beziehung gegangen, haben ihnen (wenn möglich) kleine Erfolgserlebnisse verschafft, um die Macht gekämpft, diese manchmal verloren, aber immer wieder zurückerobert und festgestellt, dass mit diesen Jungen durchaus zu arbeiten ist. Deren netten Seiten waren gut getarnt, aber wir haben sie gefunden!! Sie waren unter der Hülle einfach nur Jungen, die nach Hause wollten oder in ihrer Not gesehen werden wollten. Gerade dann, wenn sie schon länger da waren, wir uns alle besser kannten und einige Schutzhüllen durchsichtiger waren, wurde ein Platz in einer anderen WG gefunden und wir mussten uns verabschieden. Daraus entstand die Idee, ein eigenes Angebot zu entwickeln.
Dies ist mit „Tamino“ nun vollbracht. Einige Jungen (Andy, Patrick, Miguel, Ronny und Philipp) konnten wir mitnehmen und sind nun froh, ein „Zuhause“ für die Jugendlichen geschaffen zu haben. Die Betreuung in der wunderschön hergerichteten WG ist 24 Stunden gesichert. Die ALLIANZ-Versicherung unterstützte den Ausbau. Es wird therapeutisch mit den Jugendlichen und ihren Familien gearbeitet und wir legen viel Wert auf ein identitätstiftendes Gruppenleben, ein starkes Wir-Gefühl. Am Wichtigsten ist uns, dass alle Jugendlichen tagsüber etwas zu tun haben: Schule, Ausbildung, Praktikum oder in der WG helfen.
Tamino, der „Namensgeber“, war übrigens einer der ersten Jungen, die wir über einen längeren Zeitraum (in einer Wohnung über der BUK) betreuten. Mit ihm entstand erstmals die Idee, aus der dann ein Konzept entwickelt wurde und nun umgesetzt wird. Wir sind froh angekommen zu sein und freuen uns auf die nächsten Schritte. Zum Team gehören: Sylke Richter, Silvia Böhnke, Anita Fischer, Christoph Klein, Carlos del Castillio del Rio, Lars Kiss, Ronny Goltzsch, Dorothea Große und Mona Tarrassow. Besonders danken möchte ich an dieser Stelle Silvia Böhnke und Mona Tarrassow. Beide Frauen sind in den schwierigsten Zeiten am Ball geblieben und haben ungeheure Kraft, Stärke und Empathie gezeigt. Wer Fragen zum Konzept und zur konkreten Arbeit hat oder einfach nur mal vorbeikommen möchte, ist herzlich eingeladen, dies zu tun.
Sylke Richter | Einrichtungsleitung „Stationäres Jugendwohnen“
Nach
anderthalb Jahren im Projekt Lernen lernen haben zwei Teilnehmerinnen
des Kurses 11 den externen Hauptschulabschluss erfolgreich absolviert. Zwei
haben sich dazu entschlossen, ihre Teilnahme in der Jugendhilfe-Maßnahme um ein
Jahr zu verlängern, um den nächst höheren Schulabschluss zu erwerben. Wir gratulieren
sowohl zu den Ergebnissen als auch zu der Entscheidung, weiterzulernen. Denen,
die den Kurs im Juli 2008 beenden, wünschen wir viel Mut und Kraft für ihre Zukunft!
Bernd Seidel | Sozialpädagoge & Hella Mittrücker | Lehrerin
Für neun junge Männer und Frauen aus dem Projekt "Lernen lernen" standen Prüfungen zum Hauptschulabschluss und zum erweiterten Hauptschulabschluss an. Trotz zahlreicher Dramen und Krisen im Vorfeld der Veranstaltung waren die Prüfungen in den meisten Fällen erfolgreich. Drei der Jugendlichen können zukünftig mit einem Hauptschulanschluss ins Berufsleben starten, drei weitere haben mit ihrem erweiterten Hauptschulabschluss sogar noch bessere Zukunftschancen. Wie unsere Kollegen von der Statistikabteilung in mühsamer Kopfarbeit ausgerechnet haben, verliefen die Prüfungen für exakt zwei Drittel aller angemeldeten Jugendlichen erfolgreich. Am 14. Januar 2008 startete der 14. Kurs in der Geschichte des Projektes "Lernen lernen", der hoffentlich mindestens ebenso viele Jugendliche zu ihrem Schulabschluss begleiten wird.
Das „Lernen lernen"-Team
Seit 1992 besteht das „Kinderzimmer" in der Zionskirchstraße 73 als offene Einrichtung für Kinder und Familien rund um den Teutoburger Platz. 2004 wurde das Kinderzimmer als sozialräumliches Modellprojekt weiter entwickelt, das Unterstützungsangebote für sozial benachteiligte Kinder und deren Familien anbietet. Geöffnet wird täglich um 13 Uhr für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren. Neben einem Mittagstisch, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitaktivitäten haben die Mitarbeiter/innen ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der einzelnen Kinder und sind auch Ansprechpartner/innen für deren Eltern. Sie beraten bei familiären Problemen und bezüglich der schulische Unterstützung der Kinder, helfen in Krisensituationen, wenn es zum Beispiel um Schulden, Sucht oder schwierige Ämterangelegenheiten geht. Den Kindern und Familien wird also frühzeitig (präventiv) Hilfe im Wohnumfeld angeboten, bevor Konflikte eskalieren, die Kinder in der Schule scheitern oder Hilfen zur Erziehung eingesetzt werden müssen. Denn der Gang zum Jugendamt kommt für viele Familien erst in Frage, wenn gar nichts mehr geht.
In den letzten Jahren hat sich die Bevölkerungsstruktur im Prenzlauer Berg und auch rund um den Teutoburger Platz verändert. Zunehmend zogen einkommensstarke Familien in den Kiez; sozial benachteiligte Familien mit einem geringeren Einkommen konnten sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten und zogen weg. Und somit auch die „Klientel" des Kinderzimmers. Deshalb werden haben den Standort zum Ende des Jahres gekündigt. Das sozialräumliche Konzept, Hilfen für Kinder und deren Familien niedrigschwellig im Wohnraum anzubieten, hat sich bewährt. Daher wird derzeit gemeinsam mit dem Jugendamt geprüft, in welcher Form die Arbeit des Kinderzimmers an einem anderen Standort im Sozialraum Mühlenbergcenter/Hanns-Eisler-Straße weiter geführt wird. Wir wollen dort in Kooperation mit einer Freizeiteinrichtung und Schulen die Arbeit des Kinderzimmers bedarfsgerecht weiter führen und gehen davon aus, dass die Finanzierung durch das Jugendamt fortgeführt wird.
Susanne Birk | Fachleitung Jugendsozialarbeit und Schule
Am 30. November eröffnet die „Flexible Jugendhilfe" einen neuen Standort im Bezirk Lichtenberg. Die Vorbereitungen laufen auf noch Hochtouren: die Räume sind so gut wie eingerichtet, ein großes Schild weist bereits auf das Angebot hin, die Einladung an Einrichtungen der Jugend- und Sozialarbeit und an das Bezirksamt in Lichtenberg sind verschickt.
Perspektivisch werden in der Konrad-Wolf-Straße 74 drei Sozialpädagog/innen Jugendliche ab 14 Jahren in so genannten entwicklungsbeeinträchtigenden Lebenssituationen betreuen. Die Betreuung erfolgt entweder zu Hause, in eigenen Wohnungen, in Wohnungen, die Pfefferwerk angemietet hat, oder auf der Straße. Wichtigste Ziele sind neben der schnellen Hilfe in akuten Krisensituationen die Stärkung der persönlichen Ressourcen und die Förderung der individuellen und sozialen Entwicklung der Jugendlichen. Damit ist die „Flex" nun in drei Berliner Ortsteilen vertreten.
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