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07.04.2006 - 17:07 Uhr
HOTVIDZ Iin der DIMI
„HotVidz" war ein medienpädagogisches Projekt für
Mädchen im Alter von 11 bis 16 Jahren, das unser Kinder- und
Jugendfreizeithaus DIMI in Kooperation mit dem Mädchenclub „tivolette"
an vier Wochenenden im Januar und Februar durchführte.
13 Mädchen nahmen an dem durch Aktion Mensch „5000 x Zukunft" geförderten Projekt teil.
Projektziel war es, die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen
Identifikationsangeboten in Musikvideos zu fördern und die Mädchen bei
ihrer Lebensgestaltung und Identitätssuche zu unterstützen. Das mediale
Angebot potentieller Weiblichkeitsentwürfe, durch zum Teil provokante
Inszenierungen des weiblichen Körpers und Sexualität, ist in
Musikvideos besonders brisant. Die Mädchen hatten in diesem Projekt die
Möglichkeit, durch einen selbst produzierten Song (inklusive Videoclip
und dazugehöriger Dokumentation) eigene Standpunkte auszuarbeiten. Sie
sollten Fragen der Geschlechterpräsentationen, der Modetrends und
Schönheitsideale in aktuellen Musikvideos diskutieren und hinterfragen,
wie sie selbst diesen Angeboten gegenüber stehen.
Das erste Wochenende galt der inhaltlichen Arbeit. Zunächst wurden
Musikvideoausschnitte und Fotografien unterschiedlicher Frauentypen
reflektiert. Das Ergebnis war eine umfangreiche Sammlung von Attributen
in Form einer Worttafel. Die Mädchen unterschieden zum Teil sehr
feinfühlig zwischen dem Auftreten unterschiedlicher Interpretinnen und
deren Wirkung nach außen. Jede Teilnehmerin fertigte eine Papiercollage
zum Thema „Wie wäre ich als Star?" an, die durch Diskussion in der
Gruppe mit einem Attribut aus der Worttafel versehen wurde. Auf diese
Weise entwickelten die Mädchen eine erste Vorstellung von ihrem
späteren Auftreten im Musikvideo.
Allerdings hatte keines der Mädchen Interesse an der Produktion eines
eigenen Songs; vielmehr entschieden sie sich für den Titel eines
weiblichen Musikstars (Christina Aguilera, „Fighter"). Dann ging es an
die Erstellung des Storyboards. Den Mädchen wurde Grundlagenwissen im
Hinblick auf Kameraperspektiven, -einstellungen und Aufbau eines
Storyboards vermittelt. Nachdem sie sich mit dem Text
auseinandergesetzt hatten, einigten sie sich über die Rahmenhandlung
und erarbeiteten in Kleingruppen die Details der Geschichte.
Am zeitaufwendigsten waren die Dreharbeiten, die sich über drei
Wochenenden erstreckten. Die Mädchen kostümierten und schminkten sich,
wobei der Focus auf der Betonung der Persönlichkeit jeder einzelnen
lag. Jedes Mädchen entschied selbst, wie es in den unterschiedlichen
Szenen auftreten wollte. Beratung durch die Gruppe und die Pädagoginnen
war ausdrücklich erwünscht. In einer Auswertung der ersten
Drehergebnisse wurde den Mädchen das Schnittprogramm vorgestellt und
demonstriert, wie aus entsprechendem Filmmaterial eine Szene
konstruiert wird. Das Interesse an technischen Vorgängen und
Geräten wie beispielsweise der Kamera entwickelte sich erst am Ende des
Projektes. Das von
Mädchen eigenhändig gefilmte Material ist in die Endprodukte
eingeflossen. Präsentiert wurden diese im Kreise der Familien und
Freund/innen der Mädchen sowie Mitarbeiter/innen aus anderen
Jugendeinrichtungen und dem Jugendamt im Rahmen einer gesonderten
Abendvorstellung mit Büffet am 23.02.2006 in dem Mädchenclub
„tivolotte". Neben der Produktion eines Musikvideos sowie der
Dokumentation lassen sich weitere Ergebnisse festhalten. Die Gruppe
setzte sich aus Mädchen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen
Hintergründen sowie differierenden Alters zusammen. Zudem stammten sie
aus verschiedenen Kiezen. Im Projektverlauf überwanden die Mädchen die
zunächst vorherrschende Distanz. Sie knüpften mit den bisher
unbekannten Gruppenmitgliedern Kontakte und besuchten sie in
deren Jugendtreffs. Ebenso konnten sie positive Erfahrungen mit der
Erstellung eines gemeinsamen Produktes machen, auf das sie am Ende
stolz sein konnten. Durch das Ausprobieren vor der Kamera als auch die
positive Resonanz der Zuschauer/innen auf die Projekt-Ergebnisse,
gewannen sie an Selbstbewusstsein und erhielten Anerkennung. Die
einzelnen Teilnehmerinnen wurden als Persönlichkeiten gestärkt, indem.
Verhaltensweisen, wie Zurückhaltung und Dominanz in der Arbeit mit den
Rollen in eine Balance gebracht wurden, was jedem Mädchen eine
gleichberechtigte Teilhabe ermöglichte.
Fähigkeiten wie das Führen der Gruppe beim Training von Tanzschritten,
die allen bei den Dreharbeiten zugute kamen, wurden einbezogen. Die
Anwesenheit von bis zu vier Pädagoginnen wirkte vor allem auf die
Mädchen aus sozial benachteiligten Familien positiv.
Die Zusammenarbeit mit den Fachkräften und das damit einhergehende
Kennenlernen alternativer Lebenskonzepte war für sie anregend und
bereichernd. Die festen Mahlzeiten erzeugten zudem eine Atmosphäre der
Offenheit, in der Raum für persönliche Gespräche geschaffen wurde.
Durch das wiederholte Schauen der Filme, zeigen inzwischen weitere
Besucherinnen der beteiligten Einrichtungen großes Interesse an
Videoarbeit und an Rollenspielen zum Thema.
Susan Weiß
Kinder- und Jugendfreizeithaus DIMI
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